In Beratungs- und Bewerbungsgesprächen hören wir es immer wieder: „Ich möchte Concept Artist werden!“ Dabei fällt uns aber auch immer wieder auf, dass der Beruf oftmals falsch interpretiert und mit dem/der Illustrator/in verwechselt wird. Was genau ein Concept Artist ist, welche Aufgaben Ihr in dieser Position zu erwarten habt, wie die Jobchancen stehen und was für spannende Alternativen es gibt, erzählen wir Euch in diesem Blogbeitrag!

Concept Art ≠ Illustration

Wahrscheinlich seid Ihr genauso wie wir jedes Mal begeistert, wenn ein Entwicklerstudio coole neue Artworks zu seinen Titeln veröffentlicht oder Ihr an einem großen Werbeplakat vorbeispaziert, das Lust auf das Game macht. Vielleicht denkt Ihr sogar „sowas möchte ich auch mal machen!“ Hier kommen wir aber auch schon zum ersten Mythos. Diese Illustrationen haben nämlich eigentlich nichts damit zu tun was ein Concept Artist macht.

Im Gegensatz zu Illustratoren/innen, die sich darauf konzentrieren Emotionen und Gefühle mit ihren auf Hochglanz polierten Artworks zu transportieren, ist es die Aufgabe eines Concept Artists Ideen visuell zu verarbeiten und Probleme zu lösen, oftmals in Form von Skizzen oder grob ausgearbeiteten Bildern. Die Arbeiten eines/einer Illustrators/in werden überwiegend für Werbezwecke (auf der Webseite, in sozialen Netzwerken, auf Plakaten oder dem Cover des Spiels) oder ingame für das Menü, Ladebildschirme u.Ä. verwendet. Die Arbeiten eines Concept Artists hingegen, dienen anderen Entwicklern/innen zur visuellen Orientierung. Sie bieten sozusagen einen Leitfaden wie das Spiel und die Charaktere, Orte, Waffen und Gegenstände in diesem später aussehen werden. Für 3D-Artists sind sie außerdem die Basis, auf dessen 3D-Modelle für das Spiel gestaltet werden.

Bevor man sich also dafür entscheidet Concept Artist zu werden sollte man sich bewusstmachen, dass es in diesem Berufsfeld nicht darum geht einfach nur hübsche Bilder zu malen. Vielmehr geht es darum schnelle und effektive Designs zu kreieren, die zum Konzept des Spiels passen, Ideen klar kommunizieren, die Atmosphäre bzw. Stimmung visualisieren und dabei authentisch wirken.

Die Bilder hier rechts neben dem Text veranschaulichen den Unterschied zwischen einer Illustration und einem Charakter Concept Art. Natürlich gibt es noch viele andere Arten von Concept Art. Wie beispielsweise Environment, Mood und Prop Concept Art.

Illustration von Absolventin Ilka Hesche

Konzepte von Absolventin Ilka Hesche

Recherchieren, Zeichnen und Iterieren

Für gewöhnlich ist ein Concept Artist nur in die frühe Entwicklungsphase eines Spiels verwickelt. Ausgenommen sind hier Games die kontinuierlich weiterentwickelt werden, wie beispielsweise MOBAs, MMORPGs und diverse Mobile Games, für die immer wieder neue Gebiete, Level, Charaktere oder Waffendesigns gebraucht werden.

Am Anfang eines Projekts gilt es das Ziel sowie die zugrundeliegenden Probleme und Einschränkungen des Projekts kennenzulernen. Wofür ist das Konzept? Was für ein Thema oder Setting wird vorgegeben? Wie werden die Gegenstände oder Objekte die ich designe später im Spiel dargestellt und worauf muss ich dementsprechend bei meinem Konzept achten? Das sind nur ein paar der Fragen, die sich ein Concept Artist stellen muss.

Beispiel für ein isometrisches Spiel:
Hades von Supergiant Games

Hier ein Beispiel: Ihr sollt einen Charakter für einen isometrischen Dungeon Crawler in einem High-Fantasy Setting entwickeln. Das Problem ist, dass der Charakter auch von der isometrischen Perspektive (schräg von oben drauf schauend) gut zu erkennen sein muss. In eurem Konzept müsst Ihr Euch also Gedanken darüber machen, welche Elemente des Charakters wichtig sind und wie sie hervorgehoben werden können ohne dass darunter die Lesbarkeit des Charakters leidet.

In diesem Prozess findet ganz viel Kommunikation mit den Game Designern/innen sowie dem Art Lead und/oder Art Director statt, damit man als Concept Artist einer klaren Vision folgen kann und keine wertvolle Arbeitszeit verschwendet.

Nachdem die Vorgaben geklärt sind muss sich auch ein Concept Artist erstmal in die Recherche vertiefen. Dies hat mehrere Gründe und Vorteile. Zum einen ist man natürlich nicht in jedem Feld ein/e Experte/in und benötigt Referenzen die inspirieren und die Authentizität des Konzepts fördern. Diese Referenzen können in anderen Spielen, aber auch in Fotografien von realen Motiven gefunden werden. Zum anderen kann man mit den Ergebnissen der Recherche ein erstes Feedback von Mitarbeiter/innen einholen, beispielsweise in Form eines Mood Boards, bevor man viel Arbeit in die ersten Konzepte steckt.

Mood Board eines Waldes für das Projekt “Cepas Call”

Die Vorgaben sind geklärt und das Mood Board wurde vom Lead Artist abgesegnet. Perfekt! Nun heißt es Skizzen, Skizzen und noch mehr Skizzen zu produzieren. In dieser Phase geht es nämlich darum so viel wie möglich auszuprobieren und auch mal verrückt zu werden. Dabei können am Ende so 20-50 unterschiedliche Skizzen herumkommen, wenn nicht sogar mehr. Die Aufgabe eines Concept Artists ist es nicht mit einer Zeichnung eine Punktlandung für die grandioseste Idee zu landen, nein. Es geht darum eine ganze Palette an Ideen zu liefern, die passen könnten um sich dann gemeinsam mit den anderen Teammitgliedern durch Feedback Stück für Stück an das finale Konzept heranzutasten.

Es ist also wichtig, dass Ihr kritikfähig seid und nicht zu sehr an eurer liebsten Idee hängen bleibt. Eventuell kann es sogar passieren, dass alle bisher erarbeiteten Ideen abgelehnt werden oder verschiedene Ideen nochmal miteinander kombiniert werden sollen. Ein Concept Artist muss also schnell und effektiv zeichnen können, denn die Zeit für die Entwicklung eines Spiels ist knapp bemessen.

Sobald die Ideen auf eine oder ein paar Vorschläge runtergebrochen wurden, wird das Konzept so aufgearbeitet, dass die 3D-Artists damit arbeiten können und die Arbeit geht für das nächste Konzept wieder von vorne los.

Charakter Skizzen von Absolvent Noah Carev

Der Einstieg ist nicht einfach

Concept Art ist wohl eines der am heiß umkämpftesten Berufsfelder der Games-Branche. Nicht nur weil der Beruf so beliebt ist, sondern auch, weil im Vergleich mit anderen Berufsfeldern der Branche relativ wenig Stellen ausgeschrieben werden. Das liegt zum einen daran, weil Concept Artists nur für ganz spezielle Aufgaben am Anfang einer Produktion benötigt werden, zum anderen werden aber auch generell nicht so viele Concept Artists im Vergleich zu anderen Artists für ein Projekt benötigt.

Zu den Ausnahmen gehören, wie weiter oben bereits erwähnt, Studios die kontinuierlich neue Konzepte brauchen, weil das Spiel immer weiterentwickelt wird (Beispiele: League of Legends von Riot Games, Overwatch von Blizzard). Mit etwas Glück kann man außerdem eine Stelle in einem kleinen Studio ergattern und dort neben der konzeptionellen Arbeit auch noch andere Aufgaben übernehmen. Last but not least gibt es Studios wie KARAKTER oder SIXMOREVODKA, die Großteils aus Artists bestehen und Dienstleitungen wie Concept Art für Entwicklerstudios anbieten. Beachten solltet Ihr aber in jedem Fall, dass man sehr viel Übung und jahrelange Erfahrung benötigt, um als Concept Artist Fuß zu fassen.

Wir erzählen Euch das alles nicht um Euch den Mut zu nehmen. Stattdessen haben wir einen wohlgemeinten Rat für Euch: Der Traum Concept Artist zu werden ist aller Ehren wert, aber wir empfehlen Euch sich nicht zu sehr darauf zu versteifen und die spannenden Alternativen dazu nicht zu ignorieren! Es gibt viele aufregende Wege als Artist in die Industrie einzusteigen und gegebenenfalls bieten sie sogar die Möglichkeit über Umwege an eine Concept Art Stelle heranzukommen!

Spannende Alternativen und Umwege

Zu diesen Alternativen gehören beispielsweise Illustratoren/innen, 2D Artists, UI Artists, Texture Artists, 3D Artists, Animatoren/innen, Rigger und viele mehr. Die einen oder anderen Jobprofile davon werden wir in Zukunft sicher auf diesem Blog vorstellen, also schaut gerne wieder vorbei!

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